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Basler Zeitung Donnerstag den  22.6.2000. von Patrizia Derungs, Foto: Tino Briner

Vergoldet, verehrt, verstaubt: Wo ist der Pin hin ?
 
Einst begehrtes und auch gern gezeigtes Sammlerstück, fristet
der Pin heute ein Schattendasein, landet gerne in Kellern und auf Dachstöcken. Der Pin ist halt eindeutig nicht mehr in. «Das kann sich auch wieder ändern», meint Roger Maier, der Besitzer der Basler «Pin Company»
.

Foto v BaZ 

Noch vor wenigen Jahren steckten sie an jedem Mantel- und Jackenrevers, drängten sich auf T-Shirts und Gilets zusammen und bedeckten bald das letzte Stück Stoff in der Stadt. Auf ihrem Weg durch Basel hinterliessen sie feine, kaum sichtbare Spuren. Wir kennen die Szenen: «Nimm diese Pins von deinem T-Shirt weg, die durchlöchern den ganzen Stoff.» «Wieso, du trägst ja auch Fasnachtsplaketten.» «Das ist etwas anderes.» «Ist es nicht!» «Jetzt komm mir nicht frech!» Tempi passati. Die Pins sind zurück nach Amerika, woher sie ursprünglich gekommen sind. Alle? Nein, eine kleine Kolonie ist in der Strassburgerallee geblieben. Dort befindet sich der winzige Laden der Pin Company.

Nummeriert und limitiert

«Angefangen hat eigentlich alles mit dem Hahnenkampf zwischen Guggen und Cliquen», erzählt Roger Maier, ehemaliger Fasnächtler und Besitzer der Pin Company. «Frank und ich haben einen Pin kreiert, auf dem vor Guggen gewarnt wird. Das war natürlich ironisch gemeint und als Tritt an das Schienbein der Cliquen-Eliten gedacht. Die haben das aber ernst genommen und sich selber den Pin ans Revers gesteckt.»
Der Grafiker Frank Nordmann und der Ladenbauer Roger Maier konnten sich daraufhin nicht mehr retten vor Aufträgen. Fasnachtscliquen, Guggen, Vereine und auch Privatpersonen wollten ihren ganz persönlichen Pin.
«Wir mussten die Pins nummerieren und durften sie nur in limitierter Auflage produzieren. Das waren dann die ganz begehrten Sammlerstücke», sagt Roger Maier. Die Pins wurden vergoldet, versilbert und mit Kunstdiamanten besetzt. Wer auf Nummer sicher gehen wollte, liess sie zusätzlich mit einer Epoxy-Schicht versiegeln. Im Jahre 1996 kam es zum Einbruch im Pin-Geschäft. «Die Nachfrage ist um die Hälfte gesunken und seither konstant geblieben», berichtet Roger Maier. Im selben Jahr verliess der Grafiker Frank Nordmann die Pin Company und zog nach Zürich, um Computergrafiker zu werden. «Frank ist der geborene Comic-Zeichner, auch wenn er das vielleicht nicht gerne hört. Irgendwann kaufte er sich einen Computer und das Animationsprogramm Flash vier und dann ging alles sehr schnell.» Heute sind es nebst Vereinen vor allem Firmen, die nach dem bunten Ansteckknopf verlangen. Rund ein Viertel der Aufträge kommen aus Basel, der Rest aus der restlichen Schweiz.

Unser Mann in Taiwan

«Die Herstellung der Pins ist eine Handwerkskunst, die in der Schweiz unbezahlbar ist», sagt Maier. Jeder Pin wird von Hand emailliert und jede Farbe muss bei einer Temperatur von rund 850¡ C einzeln eingebrannt werden. Die kniffligste Aufgabe ist aber die Herstellung des «Werkzeugs», des Prototyps, der als Stanzvorlage dient. «Dafür haben wir unseren Mann in Taiwan. Wäre er nicht, gäbe es die Pin Company nicht», erklärt Roger Maier. Den Namen seines Mannes in Taiwan hütet er deshalb wie seinen eigenen Augapfel. «Jede Bestellung ist für den Kunden ein Risiko. Wir können keine Muster im Voraus produzieren. Wenn das «Werkzeug einmal gemacht ist, ist es gemacht und muss natürlich bezahlt werden», weiss Maier.
Zurzeit ist ein Pin der Schweizerischen Ballettschule in Zürich in Produktion sowie ein Pin für die «Swiss Friends of US Army Oldies». Letzterer wird ein 3D-Pin, auf dem zwei Oldtimer-Jeeps eingraviert sind. Zu den besten Kunden gehören die Motorradclubs: «Die meisten verlangen anstatt dem herkömmlichen Schmetterlingsverschluss einen Sicherheitsverschluss mit Metallzacken - damit die Lederjacke auch ja kaputt geht», meint der passionierte Töff-Fahrer.

Pins aus der Toskana

Finanziell lohnt sich das Unternehmen Pin Company für Roger Maier nicht. Aber schon bald wird die kleine Firma mit einer eigenen Website aufs Netz gehen. «Dann wollen wir mal sehen, was passiert», sagt Maier. «Die Pin Company könnte ich theoretisch ja auch von der Toskana aus führen, wenn meine Knie einmal nicht mehr mitmachen», meint der Zimmermann mit grafischem Flair.
 

 

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